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Wie hoch ist der CO2-Fußabdruck Ihrer Proteine?

Nachhaltig produziert, regional, heimisch …… wenn es um den CO2-Fußabdruck geht, so ist selbst das nachhaltigste Fleisch schlechter für die Umwelt als pflanzliches Eiweiß.

Wenn Sie Ihren persönlichen Kohlenstoff-Fußabdruck reduzieren wollen, könnten Sie eine Autofahrt gegen eine Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln tauschen oder in ein Second-Hand-Geschäft gehen, anstatt etwas Neues zu kaufen. Oder Sie könnten auch genauer darauf achten, was Sie essen.

Ein Viertel der Treibhausgasemssionen durch Nahrungsmittel

Die Nahrungsmittelproduktion ist nämlich für ein Viertel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich, und die Fleisch- und Milchindustrie ist ein wichtiger Grund dafür. Aber wenn Sie nicht bereit oder willens sind, ganz auf Fleisch zu verzichten − was den Kohlenstoff-Fußabdruck Ihrer Ernährung auf einen Schlag halbieren könnte −, was dann? Ist es sinnvoll, die Art des Fleisches, das Sie essen zu ändern oder eben doch den Fleischkonsum zu reduzieren?

Hannah Ritchie, Umweltforscherin bei Our World In Data, einer wissenschaftlichen Online-Publikation in Zusammenarbeit mit der Universität Oxford, versuchte, genau diese Frage zu beantworten. Sie fand heraus, dass der Verzehr von weniger Fleisch eigentlich immer die bessere Wahl für die Umwelt ist. Doch die Wahl des Fleisches und die Frage, woher dieses Fleisch stammt, ist ebenso von entscheidender Bedeutung. Der Verzehr von pflanzlichem Eiweiß macht jedoch den größten Unterschied − ganz gleich, woher die Bohnen und der Tofu kommen.

Entscheidend ist, was wir essen

Die Umweltauswirkungen unserer Ernährung zu verstehen, kann überwältigend sein. Es spielen viele Faktoren eine Rolle: Landnutzung, biologischer oder nicht biologischer Anbau, wie weit die Lebensmittel an Sie geliefert werden, wie viel Plastik sie enthalten. Aber es kommt wirklich auf einen entscheidenden Faktor an, nämlich was wir essen. „Die meisten der Ratschläge da draußen ‚Iss lokal, iss biologisch, benutze weniger Plastik‘ machen nur einen kleinen Unterschied“, so Ritchie. „Wir müssen Veränderungen vornehmen, die eine große Wirkung haben, wie zum Beispiel eine Ernährungsumstellung.“

Der größte Teil unserer lebensmittelbedingten Emissionen, erklärte Ritchie bereits auf Our World In Data, kommt nicht durch Transport oder Verpackung, sondern durch Landnutzungsänderungen, d.h. wenn bewohnbare Flächen in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt wurden. Viele der Zahlen, die über Kohlenstoffemissionen im Zusammenhang mit der Nahrungsmittelproduktion, sei es von Erbsen oder Rindfleisch, berichtet werden, sind jedoch globale Durchschnittswerte. Das könnte dazu führen, dass die Leute denken, ihr Burger von einem lokalen, umweltfreundlichen Produzenten sei eine Ausnahme − und besser als in Plastik verpacktes, international bezogenes Pflanzenprotein − und damit ihren Fleischkonsum rechtfertigen.

Aber das ist nicht ganz richtig, sagt Ritchie. Selbst die nachhaltigsten Fleisch- und Milchproduzenten haben einen größeren Kohlenstoff-Fußabdruck als die schlechtesten Hersteller von Pflanzenproteinen. „Sogar Ihr Tofu, der in Plastik verpackt in die ganze Welt verschickt wird, wird also einen geringeren Fußabdruck haben als Fleisch“, sagt sie.


Pflanzliche Proteine sind immer die bessere Wahl

Ritchie hat eine Grafik erstellt, die den Kohlenstoff-Fußabdruck aller Arten von Proteinen vergleicht und den Vorbehalt enthält, dass sich dieser Kohlenstoff-Fußabdruck − je nachdem, wie und wo er produziert wird − verändern kann. Der weiße Punkt für jedes Protein auf der Grafik stellt den globalen Durchschnitt dar. Wenn Sie sich jedoch Gedanken darüber machen, wie viel Pflanzenprotein Sie statt des Fleisches essen müssten und ob das die Vorteile für die Umwelt schmälern würde, machen Sie sich keine Sorgen; auch das hat Ritchie berücksichtigt.

Nachhaltigkeit beinhaltet viele Aspekte

„Anstatt Produkte in Kilogramm oder Kalorien zu vergleichen, machen wir hier einen Richtungsvergleich pro 100 Gramm Protein“, sagt sie. „Und wir haben Quellen von ‚minderwertigem‘ Protein wie Getreide und Körner nicht in diesen Vergleich einbezogen, weil sie keine ideale Proteinquelle sind, insbesondere im Hinblick auf ihr Aminosäurenprofil. Aber bei einer gut ausgewogenen Ernährung mit Hülsenfrüchten (Erbsen, Bohnen), Tofu, Nüssen und Getreide können Sie Ihren Proteinbedarf sicherlich decken“.

Die Grafik zeigt, dass der Kohlenstoff-Fußabdruck Ihres Fleisches variieren kann, und das liegt daran, dass einige Produzenten sich bemühen, nachhaltiger zu sein. Aber was ist „nachhaltiges“ Fleisch überhaupt? „Mit anderen Worten: Welches Fleisch wird so produziert, dass es den niedrigsten Kohlenstoff-Fußabdruck hat, den wir für das jeweilige Produkt haben könnten. Es gibt viele Aspekte, die unter „Nachhaltigkeit“ fallen: Land, Wasser, Energie, Bodenfruchtbarkeit, wirtschaftliche Nachhaltigkeit, so dass dies eine sehr enge Sichtweise der Kohlenstoffemissionen ist“, sagt Ritchie. Der Kohlenstoff-Fußabdruck von Rindfleisch zum Beispiel ist nicht überall gleich. Aus Südamerika stammendes Rindfleisch hat einen höheren Kohlenstoff-Fußabdruck aufgrund der dort grassierenden Entwaldung; in Neuseeland, Frankreich und Großbritannien ist er dank besserer landwirtschaftlicher Managementpraktiken niedriger.

Fleischkonsum reduzieren

Dennoch ist es besser, weniger Rindfleisch zu essen − und sich für Huhn, Eier und Fisch zu entscheiden, die einen „relativ niedrigen“ Kohlenstoff-Fußabdruck haben können. „Sie können Teil einer relativ kohlenstoffarmen Ernährung sein, wenn sie in Maßen gegessen werden. Dieses Konsumniveau wäre jedoch viel niedriger als in den meisten westlichen Ländern üblich“, fügt Ritchie hinzu. „Also müsste der durchschnittliche Fleischkonsum deutlich reduziert werden; aber für die kleinen Mengen, die wir essen, ist es am besten, wenn wir nach Möglichkeiten suchen, die so ’nachhaltig‘ sind, wie nur möglich.“

Diese sind jedoch immer noch nicht so „umweltfreundlich“ wie Proteine auf pflanzlicher Basis. Es mag kontraintuitiv erscheinen, Bohnen internationaler Herkunft im Supermarkt zu kaufen, anstatt ein Stück Rindfleisch vom heimischen Bauern. Man hat uns gesagt, wir sollen vor Ort einkaufen und ohne Abfallstoffe auskommen, aber letztendlich, so das Ergebnis dieser Untersuchung, liegt der größte Umweltfaktor in dem, was es kostete, diese 100 Gramm Protein zu produzieren.

fastcompany.com

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