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Das nächste große Baumaterial: Wüstensand?

„Finite“ ein Material, das reichlich glattkörnigen Wüstensand sowie ein Bindemittel verwendet, um den CO2-Fußabdruck von Baukonstruktionen zu verringern – in der Theorie soweit so gut. In der Praxis jedoch nicht leicht umsetzbar. So geht das Treiben der Sandmafia oft munter weiter.  

Wussten Sie, dass uns der kiesige Sand ausgeht, aus dem Beton hergestellt wird? Wissenschaftler haben es „eine drohende Tragödie der Sandgemeinschaften“ genannt, die durch den Abbau von Sand zur Erzeugung von Millionen Tonnen Baumaterial ausgelöst wurde.

Vor rund zwei Jahren nun hatten Forscher am Imperial College London ein neues, vielversprechendes Baumaterial erfunden, bei dem glatter Wüstensand − bisher unbrauchbar für den Bau − anstelle des für die Betonherstellung benötigten kiesigen Sandes verwendet wird. „Finite“ − der Name des Materials, das von den Doktoranden Matteo Maccario, Carolyn Tam, Hamza Oza und Saki Maruyami entwickelt wurde − ist so stark wie Beton und ungiftig. Es hat u. a. drei Eigenschaften, die es zu einem Schlüssel im Kampf gegen die aktuelle Umweltkrise machen können.

„Finite“ schützt die Ökosysteme

Nach Ansicht des Forschungsteams könnte der reichlich vorhandene Wüstensand „Finite“ dazu beitragen, Millionen empfindlicher wasserbasierter Ökosysteme auf der ganzen Welt zu retten.

Den meisten ist nicht bekannt, dass der intensive Abbau von Sand auf der ganzen Welt eine gigantische Auswirkung auf die wasserbasierte Umwelt hat. Dieser Sand, der für die Explosion der Stadtentwicklung in Gebieten wie China, Indien und dem Nahen Osten von entscheidender Bedeutung ist, wird von Stränden genommen (oft auch gestohlen) oder aus Seen und Flussbetten gebaggert. Und da uns dieser Sand langsam ausgeht, wird der Bergbau immer aggressiver, zerstört all die empfindlichen Umgebungen, trocknet sie langfristig aus und tötet dabei Millionen von Tieren.

„Finite“ hat einen viel geringeren CO2-Fußabdruck als Zementpaste

Der Bindungsbestandteil von „Finite“ soll nach Angaben seiner Entwickler weniger als die Hälfte des CO2-Fußabdrucks von Zementpaste haben. Zementpaste macht schätzungsweise 5% der weltweiten CO2-Produktion aus. Der CO2-Fußabdruck ist so groß, dass weltweit mehrere Anstrengungen unternommen werden, um den Verbrauch zu senken.

„Finite“ ist recycelbar

Und schließlich sagten die Entwickler, dass „Finite“ leicht recycelbar ist. So soll es sich auf natürliche Weise zersetzen lassen. Oza dazu: „Wir verwenden eine ungiftige Lösung, die es dem Material ermöglicht, in einen flüssigeren Zustand zu gelangen, der neu gegossen oder erneut für „Finite“-basierte Konstruktionen angewendet werden kann.“ (Die Entsorgung von Beton nach einem Abriss ist nicht einfach und kann nicht wiederverwendet werden.)

All das würde „Finite“ ideal für kurzfristige Infrastrukturen, wie beispielsweise Pavillons, machen, so die Forscher.  Für dauerhafte Gebäude und Strukturen sollten weitere Tests und Zertifizierungen folgen.

Was wurde aus „Finite“?

Was wurde aus „Finite“?

Leider ist es heute – rund zwei Jahre später – still um „Finite“ geworden. Das mag vor allem auch daran liegen, dass es sich aus kommerzieller Sicht nicht lohnt, Wüstensand über weite Strecken mit dem LKW zu transportieren.

Möglicherweise hätte der Name an die begrenzten natürlichen Ressourcen unseren Planeten erinnern sollen, Sand eingeschlossen. Doch im Moment sieht es danach aus, dass die Bemühungen, „Finite“-Wüstensand für Bauvorhaben zu nutzen, buchstäblich im Sand verlaufen sind. Doch die Forschungen dahingehend gehen weiter und wer weiß, vielleicht wird aus „Finite“ eines Tages doch noch „Infinite“?

fastcompany.com

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