TECHNOLOGIE
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50 Jahre später sind Erfinder des Internets entsetzt darüber, was aus ihrer Erfindung wurde


Die erste echte Internetverbindung bestand vor 50 Jahren, doch diejenigen, die diese ersten Nachrichten über das moderne Internet verschickten, sind mit ihrer Schöpfung ganz und gar nicht zufrieden.

Ziemlich genau vor 50 Jahren wurde die erste permanente Verbindung zwischen einem Computer an der UCLA und dem Stanford Research Institute (SRI) hergestellt. Es war die erste Verbindung von ARPANET, die zu einem großen Netzwerk von Forschungs- und Militärcomputern heranwuchs und später zum öffentlichen Internet wurde, so wie wir es heute kennen.

Im Jahr 1969 wurde von einem Doktoranden namens Charley Kline die erste Internetnachricht an den Wissenschaftler Bill Duvall am SRI gesendet. UCLA-Professor Leonard Kleinrock entwickelte hierzu einen Großteil der theoretischen Grundlagen, um dem ersten digitalen Netzwerk und Vorläufer des heutigen Internets Leben einzuhauchen. Trotz des Wunsches, dass das Internet einen positiven Einfluss auf die Welt haben sollte, hat es sich für ihn in vielen Fällen zu etwas anderem als einer Macht für das Gute entwickelt.

Die Niederlage eines sozialen Internets

Kleinrock hatte eine überraschend klare Vorstellung davon, was ARPANET hätte werden sollen.  „Ich habe immer gesagt, dass das Internet seine Teenagerjahre durchlebt“, erzählt Kleinrock. „Aber das sage ich nicht mehr.“ Internet-User sind heute scheinbar nicht in der Lage, die Probleme des Internets ‒ Dinge wie Wahlmanipulation, Überwachungskapitalismus, Mobbing, Fake-News, Rachepornos und so weiter – zu lösen. Im Gegenteil: heute haben wir ein Internet, das von Natur aus als Spielwiese für die schlimmsten menschlichen Instinkte geeignet ist.

Die meisten der von Kleinrock diskutierten Probleme treten im Kontext mit sozialen Netzwerken auf, was möglicherweise an der Anonymität und mangelnden Rechenschaftspflicht der Nutzer liegt. Online machen die Leute Aussagen und ergreifen Maßnahmen, ohne die persönliche Verantwortung dafür übernehmen zu müssen, sagt Kleinrock. In der Anonymität müssen sie um ihren Ruf nicht so fürchten, wie sie dies in der realen Welt tun würden.  

Charley Kline, jener Student, der die erste Internetnachricht geschickt hatte, meint dazu, dass das moderne Internet schlechte Impulse schneller und weiter verbreiten könne als jede andere Medienkommunikation zuvor. „Wenn Sie ein Pamphlet veröffentlichen möchten, welches jemanden als Vergewaltiger abstempeln soll, liegt eine Menge Arbeit vor Ihnen“, sagt Kline. „Jetzt aber können Sie es in wenigen Sekunden tun und innerhalb kürzester Zeit an Millionen, vielleicht sogar Milliarden von Menschen verschicken.“ 

Die Verantwortung der heutigen Internetbarone

Kline weist darauf hin, dass die Leute, die 1969 ARPANET bauten, nie davon geträumt hatten, dass sich eines Tages Millionen von Menschen im selben Netzwerk aufhalten würden. ARPANETs Schöpfern kann daher verziehen werden, wenn sie nicht vier Jahrzehnte in die Zukunft blicken konnten, um die Probleme des heutigen öffentlichen Internets zu vermeiden. Der Wissenschaftler Bill Duvall, der vor 50 Jahren die erste Internetnachricht erhalten hatte, meint dazu, dass die heutigen Internetbarone keine solche Entschuldigung hätten.

„Es gibt eine soziale Verantwortung, die mit diesen Dingen einhergehen muss“, sagt Duvall. „Wenn Facebook also im Grunde genommen eine Plattform einrichtet, die eindeutig für Fake News verwendet werden kann, sollten sie gleichzeitig darüber nachdenken, wie dies kontrolliert werden soll“, so Duvall.

Das Internet – im Großen und Ganzen transformierend und gut für die Welt und heute nicht mehr wegzudenken. Und doch ist es erschreckend zu sehen, wie leicht im Schutz der Anonymität Fake News und Hassbotschaften verbreitet werden … und das ohne Rücksicht auf Verluste.

fastcompany.com

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