WOHNGESUNDHEIT
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Wohnhygiene – Wahn oder Wohlstand?

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Den Großteil unserer Lebenszeit verbringen wir in den eigenen vier Wänden. Sie sind Rückzugsort, Erholungsraum und unsere Wohlfühloasen. Aber die eigene Wohnung oder das eigene Haus ist auch der gefährlichste Ort Österreichs!

Bis zu 400.000 Stunden unseres Lebens schlafen, essen, trinken, lesen, sehen wir in den Räumlichkeiten unserer Wohnung oder unseres Hauses fern usw. Das Wohnumfeld hat damit einen entscheidenden Einfluss auf unser Wohlbefinden, aber auch unsere Gesundheit. Und im Gegensatz zur Außenwelt kann die Wohnumwelt maßgeblich selbst bestimmt und beeinflusst werden. So zeigt beispielsweise die Freizeitunfallstatistik: Die meisten Unfälle passieren in unseren Küchen, Wohn-, Schlaf- oder Kinderzimmern.

Damit ist es wahrscheinlicher, sich zu Hause zB beim Kochen zu verletzen als sich beim Radfahren eine Blessur zuzufügen. Die häufigste Unfallursache zu Hause sind dabei übrigens Stürze. Doch kann man schon mit einfachen, vorbeugenden Maßnahmen das Unfallrisiko verringern und die Wohnsituation hinsichtlich Unfälle sicherer gestalten.

Wenn die eigenen vier Wände krank machen

Wesentliche Gefahrenquellen für die Wohnhygiene stellen unter anderem Bakterien und Keime im Küchenbereich dar.

Wesentliche Gefahrenquellen für die Wohnhygiene stellen unter anderem Bakterien und Keime im Küchenbereich dar.

Unfälle und Verletzungen im Haushalt sind bestens erhoben, beschrieben, klassifiziert und in Statistiken gegossen. Doch wie sieht es mit Erkrankungen aus, die aufgrund unserer Wohnsituation entstehen? Allergien, Nervenschäden, Infektionserkrankungen, Atemnot und vieles mehr – all das kann unser geliebtes Heim verursachen und auslösen.

Wesentliche Gefahrenquellen stellen dabei unter anderem Bakterien und Keime im Küchenbereich, Schwermetalle im Trinkwasser, Legionellen im Duschwasser und chemische und biologische Belastung der Raumluft dar.

Bakterien in Anmarsch Wohnhygiene

Bakterien und Keime kommen vor allem in der Toilette, im Bad aber auch in der Küche vor. Im Bad/WC sind hohe Luftfeuchtigkeit, erhöhte Raumtemperatur, Rückstände organischer Stoffe (zB Hautpartikel, Haare oder Fäkalbakterien im WC) für die Keimvermehrung förderlich. Besonderes Augenmerk sollte jedoch der Küche geschenkt werden: Unter den Mikroorganismen in der Küche gibt es auch unerwünschte Krankmacher.

Sind Lebensmittel massiv erstmals in größerem Umfang von ihnen befallen, können sie Durchfall, Erbrechen und Fieber auslösen. Im schlimmsten Fall sind sie sogar tödlich. Küchenhygiene ist das wichtigste Schutzinstrument gegen Infektionen. Im Fokus stehen dabei Spülschwämme, Spülbecken, Kühlschrank und Küchenbretter, denn sie bieten ideale Wachstumsbedingungen für Keime.

Kühlschrank – der vergessene Essensspeicher

Wohnhygiene: Auch auf Schneidbrettern lauern Keime und Bakterien.

Wohnhygiene: Auch auf Schneidbrettern lauern Keime und Bakterien.

Während die Toilette zumindest einmal pro Woche gereinigt wird, so wird diese Behandlung dem Kühlschrank meist verwehrt. Aus diesem Grund findet man gerade dort, wo man Lebensmittel aufbewahrt, besonders häufig viele Bakterien. Vor allem die Rückwand des Kühlschranks ist aufgrund des Kondenswassers für Bakterien und Schimmel sehr attraktiv.

Nach einer Untersuchung von Ablaufrinnen von Rückwänden in Kühlschränken lebten durchschnittlich 11,4 Millionen Keime pro Quadratzentimeter. Das sind 400 Mal mehr als auf einem durchschnittlichen Toilettensitz.

Tipp: Lebensmittel nicht offen im Kühlschrank lagern.

Wohnhygiene und das Wasser

Täglich nehmen wir es zu uns – täglich benutzen wir es: Wasser. Jeden Tag verbrauchen Herr und Frau Österreicher 130 Liter Leitungswasser zum Kochen, zur Körperpflege, zum Waschen, fürs Klo etc. – und wir trinken es jeden Tag.

Doch Leitungen und Armaturen können das Wasser mit Schwermetallen wie Blei, Kupfer, Nickel etc. belasten, die so in unseren Organismus gelangen. Aber auch bei der äußeren Anwendung hat die Zusammensetzung des Leitungswasser einen Einfluss: Von trockener Haut und Hautreizungen über spröde Haare bis hin zu Zungenbrennen kann hier der Einfluss auf unseren Körper reichen.

Am Geschmack oder im Aussehen lassen sich Trinkwasserbelastungen nicht feststellen. Ein Wassertest gibt Sicherheit – bei Belastungen als kurzfristige Maßnahme das Wasser vor Gebrauch so lange ablaufen lassen, bis eine konstante Temperatur erreicht ist. Mittelfristig die entsprechende Ursache, zB Bleileitungen, austauschen.

Es liegt was in der Luft Wohnhygiene

Die Luft in den Innenräume ist oft stärker belastet als auf einer vielbefahrenen Straße. So viel zur Wohnhygiene!

Die Luft in den Innenräume ist oft stärker belastet als auf einer vielbefahrenen Straße. So viel zur Wohnhygiene!

Die Luft in Innenräumen ist oft stärker mit Schadstoffen belastet als die Außenluft an einer stark befahrenen Straße. Die meisten dieser Stoffe sind hausgemacht und können mit entsprechenden Wohnverhalten bzw. bereits bei der Planung einer Wohnung berücksichtigt werden.

In allen Innenräumen, die Sie im Alltag nutzen, sind Schadstoffe vorhanden. Diese kommen nicht nur über die Außenluft herein, sie werden auch direkt im Raum freigesetzt. Die Luft in diesen Räumen kann unterschiedliche Schadstoffe enthalten, für die mehrere Quellen in Frage kommen. Nicht nur die Lage, die Bauweise und die verwendeten Baustoffe eines Gebäudes können dafür verantwortlich sein, auch Möbel und andere Gegenstände können Schadstoffe an die Raumluft abgeben. Viele Materialien im Wohn- und Arbeitsbereich, wie zB behandelte Hölzer, Textilien, Farben, Lacke oder Bodenbeläge, enthalten mitunter chemische Rückstände, die zum Teil über lange Zeit in die Raumluft ausgasen und ein hohes gesundheitliches Risiko darstellen können. Schlechte Raumluft beeinträchtigt unser Wohlbefinden und kann sogar zu dauerhaften Gesundheitsschäden führen.

Schimmelpilze sind eine weit verbreitete Schadstoffquelle in der Wohnung. Neben häufiger Müdigkeit und Kopfschmerzen können chronische Probleme mit den Atemwegen wie zum Beispiel Nasennebenhöhlen-Entzündungen die Folge sein. Schimmelpilze können bei empfindlichen Personen auch Allergien auslösen. Auch Kinder gehören in die Gruppe der besonders empfindlich reagierenden Personen. Deshalb muss gegen das Schimmelpilzwachstum im Wohnbereich etwas getan werden. Nicht immer sind es sichtbare Flecken auf Wänden und Tapeten, die auf Wohnungsgifte schließen lassen. Gründe hierfür können sowohl undichtes Mauerwerk als auch von außen eindringende Feuchtigkeit sein.

Wohnhygiene – also Wahn oder Wohlstand?

Faktum ist, dass Wohnräume viele Quellen für gesundheitliche Beschwerden und Krankheiten bieten. Aber wie weit lassen wir uns in den Wahn treiben, möglichst sterile Raumluft zu atmen, auf bakterienfreie Oberflächen unser Essen zuzubereiten … und aus den Leitungen sollte am besten auch noch destilliertes Wasser fließen? Denn Faktum ist auch, dass Menschen, die beispielsweise am Land aufwachsen und von Kühen, Federvieh und Stallmist umgeben sind, deutlich geringer an Allergien wie Heuschnupfen leiden oder Asthma bekommen als Kinder, die in der Stadt aufwachsen. Und in einem Millimeter unseres Dickdarms leben 100mal mehr Bakterien als Menschen auf der ganzen Erde. Dies soll allerdings kein Freibrief für mangelnde Hygiene oder der Verwendung von Einrichtungsgegenständen, die Giftstoffe ausdampfen, bedeuten. Und eine Bleileitung oder ein Schimmelbefall hat in Häusern auch nichts verloren. Denn auch im Wohnumfeld müssen sich in unserer Wohlstandsgesellschaft gewisse Standards und Mindesterfordernisse für ein gesundes Wohnen in den eigenen vier Wänden niederschlagen und durchsetzen. Mit Maß und Ziel und gesundem Menschenverstand.

Mag. Thomas Schlatte für LIFECHANGE.AT

1 Kommentare

  1. Also ich bin kein Experte, aber angablich ist es ja weder Grund- noch Abwasser, hat nichts mit den Fernwärmeleitungen zu tun und Mineralwasser Canstatter Charackteristik soll es auch nicht sein. Trotzdem weist es ja ein paar Charakteristiken von Mineralwasser auf: Höhere Temperatur, höhere Leitfähigkeit und einen höheren Mineralgehalt als „normales“ Wasser. Klingt für mich wie eine Mischung mit zum Teil Mineralwasser.

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