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Viskose – Zerstört unsere Kleidung den Regenwald?

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Viskose gilt zwar weitläufig als die bessere Alternative zu synthetischen Materialien, da Synthetik meist Petroleum enthält. Doch Viskose wird dafür oft aus Altbaumbeständen hergestellt. Canopy, eine neue Nonprofit-Organisation, zeigt jetzt auf, dass Modeunternehmen bessere Optionen haben.

„Die meisten Menschen kennen den Zusammenhang zwischen Wäldern und Papier, aber sie wissen nichts über den Zusammenhang zwischen dem Ökosystem der Wälder und der Kleidung, die sie in ihrem Kleiderschrank haben.“

Anhand der Labels in unserer Kleidung sehen wir, dass in den letzten Jahren die Produktion von Gewand aus Viskose mehr und mehr zugenommen hat. Diese Zellulosefaser ist sehr vielseitig, weich und seidig. Außerdem hat sie den Ruf ökologischer als Polyester oder Nylon zu sein. Schließlich wird Viskose ja aus Planzenstoffen gewonnen und nicht aus Plastik.

Doch auch Viskose birgt ein dunkles Geheimnis. Sehr oft wird sie aus Bäumen hergestellt, die in alten gefährdeten Regenwäldern stehen. Die Nonprofit-Organisation Canopy aus Vancouver kooperiert nun mit jenen Unternehmen, die Bäume als Rohstoff für ihre Produkte benötigen und arbeitet an Lösungen zur Erhaltung von Altbaumbeständen.

Viskose – vom Baum zur Mode

Eine Zellstofffabrik – gebaut meist in der Nähe des Waldes – nimmt einen Baum, fügt Chemikalien hinzu und produziert damit eine Lösung aus Zellstoff. Diese Stoff kommt zum Viskosehersteller, der daraus eine stabile Faser macht, die nach Lust und Laune eingefärbt werden kann. Daraus wird eine Textilie, die an verschiedene Modemarken verkauft wird. Zuletzt landet sie als Bluse oder Kleid bei einer Ihrer beliebten Modeketten.

Viskose – das Palmöl der Fashion-Industrie

Markenhersteller waren gleichermaßen geschockt. Einige waren sich nicht bewusst, dass Viskose aus Wäldern gemacht wird.

Markenhersteller waren gleichermaßen geschockt. Einige waren sich nicht bewusst, dass Viskose aus Wäldern gemacht wird.

Zellstofffabriken gibt’s auf der ganzen Welt: in Österreich, Schweden, Südafrika, China, Indien und den USA. Doch die umstrittendsten Fabriken erhalten ihre Bäume aus den kanadischen Wäldern, dem Indonesischen Regenwald oder aus dem Amazonas. Die kohlenstoffreichen Wälder werden zerstört und der Klimawandel verschärft sich. Außerdem geht wichtiger Lebensraum für gefährdete Arten verloren, so Nicole Rycroft, Founder und Executive Director von Canopy. Viskose ist das Palmöl der Fashion-Industrie.

Eine besondere umstrittene Zellulusefabrik im Norden Sumatras befindet sich mitten in einem Wald, der Heimat für Sonnenbären und Tiger ist und außerdem eine Lebensgrundlage für heimische Bauern darstellt. Bis Canopy sich hier einschaltete, hatte die Zellulosefabrik bereits begonnen (und das mit dem Segen der Regierung) den wertvollen Wald auszulaugen. Ein heimischer Bauer, der sein Land beschützen wollte und sich den Bulldozern in den Weg stellte, wurde sogar zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.

Canopy und seine Mission Viskose

Auch der Regenwald am Amazonas ist von der Viskoseherstellung bedroht.

Auch der Regenwald am Amazonas ist von der Viskoseherstellung bedroht.

Canopy versucht, seine Mission auf dreifache Art und Weise zu erfüllen.

  1. Als erstes werden unterschiedliche Markenhersteller kontaktiert, deren Käufer die Viskose-Lieferanten unter Druck setzen können.
  2. Alle sechs Monate werden die Viskose-Produzenten in einem bestimmten Ranking erfasst und zwar gemäß dem, wie sie den Umweltstandards entsprechen. Markenhersteller können sich daher für jene Hersteller entscheiden, die auch wirklich nachhaltig arbeiten.
  3. Canopy verhandelt auch mit Viskose-Lieferanten, die ihrerseits wieder einen Druck auf die Zellstofffabriken machen können. Das führt soweit, dass sie ihre Bedingungen entweder an die Umweltstandards anpassen oder eben ihre Kunden verlieren.

Bis jetzt bekam Canopy Zusagen von 105 Markenherstellern (u. a. namhafte Brands wie Nautica, North Face, Wrangler, Timberland und Vans), dass sie keine Viskose aus Regenwäldern mehr verwenden. Weitere Marken wie Gap, Banana Republic und Old Navy bestätigen einen Ausstieg aus der Viskoseindustrie aus Altwäldern bis 2020.

Wie sieht es mit der Fabrik im Norden Sumatras aus? Aufgrund des Drucks von Canopy und Viskose-Herstellern wurde ein Commitment unterzeichnet, keinerlei Abholzungen mehr durchzuführen und 12.800 Hektar Wald wieder an die lokalen Gemeinden zurückzugeben. Es wird nun in Zusammenarbeit mit der Regierung Land gesucht, das keinen Altbaumbestand hat und auch nicht den Einheimischen gehört.

Kollektives Handeln führt zu nachhaltigen Aktionen

Modelabels ändern ihre Einstellung meist nicht aufgrund des Drucks ihrer Kunden – denn die meisten Kunden haben nicht einmal eine Ahnung davon, dass ihre Kleidung aus Bäumen hergestellt wurde. Entweder erachten sie es für notwendig, um den erweiterten Nachhaltigkeitskriterien zu entsprechen, denen sie sich verschrieben haben. Oder aber sie fürchten Negativschlagzeilen der Presse, die Konsumenten aufrütteln könnten.

Was auch den Ausschlag geben mag, Tatsache ist, dass kollektives Handeln zu nachhaltigen Aktionen führen kann.

Quelle: fastcompany.com

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