WOHNGESUNDHEIT, WOHNIDEEN
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Reinhard Kepplinger von Grüne Erde im Interview

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Die VerbraucherInnen von heute wollen Lifestyle und Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen. Das spielt vor allem beim Wohnen eine große Rolle. Reinhard Kepplinger, Geschäftsführer Grüne Erde, erklärt, was das bedeutet, wie nachhaltiges Wirtschaften in die Unternehmensstrategie integriert wird und wie man die begehrten Gütesiegel erhält.

Nachhaltig wohnen und leben – was bedeutet das?

Lassen Sie mich dazu eine Geschichte erzählen: Als Zimmerleute im 14. Jahrhundert den Dachstuhl der großen Halle des New College in Oxford errichteten, pflanzten sie gleichzeitig Eichen, um Ersatzholz für die nächsten Generationen bereitzustellen. Erst 500 Jahre später mussten die Eichenbalken erneuert werden – und die Zimmerleute nutzten dafür das Holz jener Bäume, die ihre Vorgänger gepflanzt hatten. Nachhaltigkeit bedeutet Vorausschau auf die kommenden Generationen: Zum einen sollen für die Möbel nachwachsende und natürliche Rohstoffe verwendet werden, damit der Ressourcenverbrauch nicht zu Lasten der nächsten Generation geht. Zum anderen sollen die Möbel durch ein zeitloses Design, hochwertige Rohstoffe und sorgfältige Verarbeitung eine möglichst lange Lebensdauer haben, damit sich auch kommende Generationen daran erfreuen können. Nachhaltig Leben geht natürlich noch einen Schritt weiter und umfasst alle Bereiche von der Ernährung über die Mobilität und Strom bis zum Arbeitsplatz und dem Sparbuch.

Ist „Green Living“ heute populärer als noch vor 10 Jahren?

Nachhaltige Möbel von "Grüne Erde".

Nachhaltige Möbel von „Grüne Erde“.

Der Begriff Nachhaltigkeit ist in den vergangenen Jahren immer häufiger zu hören. Immer mehr Menschen reagieren – bewusst oder unbewusst – auf die zunehmende Entfremdung von den Dingen, die sie jeden Tag umgeben. Wer hat den Tisch gemacht, an dem ich esse? Woher stammt das Holz für mein Bett? Sie sehnen sich nach dem Wahren, dem Direkten, dem Echten, das sich bei Möbeln in der handwerklichen Verarbeitung von naturbelassenen Materialien widerspiegelt.

Gütesiegel in Österreich/EU

Leider gibt es für Ökomöbel keinen umfassenden, etablierten Standard wie zum Beispiel für Kleidung das GOTS-Gütesiegel. Viele verlassen sich auf das FSC-Logo, allerdings unterscheidet dieses Gütesiegel nicht zwischen heimischem und Tropenholz. Damit setzt es beides in den Augen des Konsumenten gleich, die Transportproblematik und die nicht unwesentliche Korruptionsproblematik in den meisten Tropenländern werden dabei ausgeklammert. Deshalb kennzeichnen wir unsere Möbel nicht mit dem FSC-Logo, auch wenn der Großteil unseres Holzes zertifiziert ist. Der kleine Rest stammt von kleinen bäuerlichen Betrieben in Österreich, die meist nur einige wenige Bäume jährlich schlagen und für die daher die Kosten und die Bürokratie für die Zertifizierung zu hoch sind.

Einkaufstipps: Woran erkennt man nachhaltig produzierte Möbel?

Wie bereits gesagt gibt es leider keinen einheitlichen Standard für nachhaltig produzierte Möbel. Daher liegt es in der Verantwortung der Kundinnen und Kunden, im Geschäft nachzufragen: Woher kommt das Holz für die Möbel? Wo und vom wem werden sie gefertigt? Gibt es Ersatzteile oder kann man das Möbelstück reparieren? Wie lang ist die Lebensdauer? Und welche Inhaltsstoffe werden bei der Entsorgung freigesetzt? Kann oder will ein Geschäft auf diese Fragen nicht antworten, dann handelt es sich wohl nicht um nachhaltige Möbel.

Neuer Trend: Recyclingmöbel

Möbel aus Recyclingmaterial – zum Beispiel aus alten Europaletten – sind sicherlich eine lustige Idee für die eigenen vier Wände. Allerdings haben die zusammengezimmerten Möbel zwangsläufig eine kürzere Lebensdauer, und dann kommen die Rohstoffe erst wieder auf die Müllhalde. Besser ist es, gleich von Anfang an natürliche Materialien zu verwenden, die zu 100 % recyclebar sind, zum Beispiel Holz oder Leinen und Baumwolle für Stoffbezüge.

Welche Materialien verwenden Sie?

Grüne Erde verarbeitet Materialien, die die Natur bereithält.

„Grüne Erde“ verarbeitet Materialien, die die Natur bereithält.

Das wichtigste Material ist zweifelsohne das Holz – ein Rohstoff, der aus der Natur kommt und damit auch der Natur des Menschen am besten entspricht. Wir beziehen unser Holz – Buche, Zirbe, Eiche und Kernbuche – zum Großteil aus Österreich, der Rest kommt aus Ungarn, Bosnien und Kroatien, um kurze Transportwege zu gewährleisten. Für unsere Möbel verzichten wir gänzlich auf synthetische und petrochemische Materialien und auch auf Metallverbindungen, weil diese mit der Zeit ihre Spannkraft verlieren. Stattdessen setzen wir auf traditionelle, robuste Keilverbindungen, die von den Tischlern unserer hauseigenen Werkstätte weiterentwickelt und perfektioniert worden sind.

Wo werden Ihre Möbel, etc. produziert? Kennen Sie die Produktionsbedingungen vor Ort?

Wir produzieren unsere Möbel in eigenen Werkstätten in Österreich, einen kleineren Teil in Partnerbetrieben in Slowenien und Ungarn. Durch die Kontrolle der gesamten Wertschöpfungskette – vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt – können wir die bestmögliche Qualität gewährleisten. Die Fertigung unserer Möbel ist stark handwerklich geprägt. Wir glauben, dass es einen Unterschied macht, ob sie von seelenlosen Industrierobotern oder von menschlichen Händen gebaut werden. Und dass der Geist sorgfältiger Handarbeit in den Möbeln spürbar ist.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

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