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Hotel Magdas – Gastfreundschaft neu definiert!

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Reisende bekommen beim Check-in in Wiens Boutique Hotel Magdas einen Reality-Check auf das Leben anderer. Flüchtlinge betreiben das Boutique Hotel in Wien.

Das Magdas Hotel in Wien sieht aus wie ein typisches Boutique Hotel, mit modernen, minimalistisch eingerichteten Zimmern. Das Interieur ist ein aparter Mix aus Vintage und stylischem Neu. Der Blick aufs berühmte Riesenrad fügt an Reiz hinzu. Vier Etagen beherbergen 78 Zimmer, die zwischen 70 und 110 Euro kosten.

Im vergangenen Jahr öffnete das Hotel Magdas im Wiener Prater-Viertel seine Pforten. Wo sonst ausgegrenzt oder nur geduldete Fußnote am Arbeitsmarkt, bilden sie hier das Herzstück: Anerkannte Flüchtlinge, die als Rezeptionisten, Barkeeper und Servicekräfte Gäste aus aller Welt in zig Sprachen willkommen heißen. Im Alltagsbetrieb werden sie von Branchenprofis und einem Job-Coach unterstützt; für viele ist es der erste Job in dem Metier, wenn nicht der erste Job überhaupt…. Und sie haben viel zu erzählen.

„Wir wollten einen Platz bieten, wo Touristen aus der ganzen Welt von Menschen willkommen geheißen werden, die ihr Land verließen, und zwar nicht weil sie es wollten, sondern weil sie vor Hunger, Krieg oder Terrorismus fliehen mussten,“ so Martin Gartner von der Caritas.

Hotel Magdas – von Küchenchef bis Auswanderer

Jeder Mitarbeiter macht das Magdas Hotel so einzigartig.

Jeder Mitarbeiter macht das Magdas Hotel so einzigartig.

Im Magdas HOTEL arbeiten Menschen aus 14 Nationen mit den unterschiedlichsten Lebensgeschichten. Jeder einzelne von ihnen macht diesen Ort so einzigartig.

Aufgrund der rechtlichen Situation in Österreich ist die Aufnahme einer Arbeit erst nach Erhalt eines positiven Asylbescheids erlaubt. Das bedeutet vielfach eine jahrelange Wartezeit – verdammt zum Nichtstun. Erhalten die Menschen letztlich einen positiven Asylbescheid, haben sie auf dem Arbeitsmarkt aufgrund der mangelnden Arbeitserfahrung oft einen schwierigen Stand und das trotz teils sehr guter Ausbildungen in ihren Herkunftsländern.

Das Hotel beschäftigt Flüchtlinge aus Syrien, dem Iran, Afghanistan und etlichen anderen Ländern. Jeder von ihnen hatte es schwer, woanders eine Arbeit zu finden.  „Es ist sehr interessant zu beobachten, wie dieses Team, das um die 25 Sprachen spricht und unterschiedliche Glaubensansichten hat, zusammenarbeitet und gemeinsam ein Ziel verfolgt, nämlich das Hotel gut zu führen,“ so Gartner.

Für Hotelgäste ist das die Gelegenheit, eine andere Art des Lebens in Wien kennenzulernen. Es ist zwar durchaus nichts Ungewöhnliches für ein Hotel, Personen aus anderen Teilen der Welt zu beschäftigen. Was sehr wohl ungewöhnlich ist, seine Gäste zu ermuntern, mit seinen Angestellten vertraut zu werden und ihre Geschichten persönlich kennenzulernen. Und genau das ist es, was das Magdas Hotel in Wien ausmacht. „Es ist nicht wie jedes andere Hotel,“ so Gartner. „Unsere Gäste fühlen die soziale Komponente in unserem Haus.“

Ziel dieses Hotels ist es auch, die Einstellung der Leute den Flüchtlingen gegenüber zu verändern. „Es werden unzählige Diskussionen über Flüchtlinge in Europa geführt. Meistens geht es um Probleme mit der steigenden Anzahl an Asylsuchern. Und dann – auf der anderen Seite – gibt es dieses Hotel. Hier wird nicht mehr über Probleme gesprochen, hier werden Lösungen geboten. Lösungen, die es Menschen ermöglicht zu arbeiten und ein Teil der Gesellschaft zu sein.“

Das Hotel Magdas im 2. Bezirk in Wien sieht aus wie ein typisches Boutique-Hotel.

Das Hotel Magdas im 2. Bezirk in Wien sieht aus wie ein typisches Boutique-Hotel.



Vorfinanziert ist Magdas mit einem Kredit der Caritas: Mit 1,5 Millionen Euro wurde das ehemalige Seniorenheim umgebaut und rundum erneuert. Schreibt das Hotel schwarze Zahlen, wird das Geld zurückgezahlt. Dazu kamen knapp 60 000 Euro über Crowdfunding, Sachspenden von Firmen sowie Unterstützung von Privatpersonen − nachdem das Projekt bekannt wurde, kamen Leute aus ganz Wien mit Pflanzen und Büchern für die Bibliothek. Öffentliche Förderungen gibt es keine. Der herkömmliche Komfort bietet Frühstücks- und Wäscheservice, WLAN, Fahrradverleih und Kinderbetreuung.

Nur eines werden Hotelgäste in vielen Zimmern nicht finden: Fernsehgeräte. Eine bewusste Entscheidung. Denn vor allem will Hotel Magdas ein Ort sein, an dem die Leute miteinander reden. Und zuhören. Besonders jenen, denen sonst nicht so gerne zugehört wird und die bisher kaum anderes kannten, als eine anonyme Zahl in Flüchtlingsstatistiken zu sein.


www.magdas-hotel.at

For more information: http://www.fastcoexist.com/3044932/at-this-boutique-hotel-tourists-stay-next-to-refugees

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