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Depressionen – Was können wir tun, wenn wir uns miserabel fühlen?

Sander-van-der-Werf_shutter

Johann Hari’s Buch Lost Connections deckt auf, welchen Anteil unsere Gesellschaft daran hat, eine unglückliche Welt mit ihren Depressionen zu schaffen.

Johann Hari schluckte seine ersten Antidepressiva im Alter von 18 Jahren und die Erfahrung war – wie er mit eigenen Worten ausdrückt – wie ein „chemischer Kuss“. Die Last wurde auf der Stelle von seinem wirren Gehirn genommen. So nahm er die Pillen 13 Jahre lang in immer höheren Dosen bis zu dem Punkt, an dem das Mittel nicht mehr wirkte. Und er war noch immer depressiv.

Depressionen – alles nur in unseren Köpfen?

Hari – inzwischen 30 Jahre alt und Journalist  – begann die vorherrschende Meinung zum Thema Depressionen zu hinterfragen. Waren seine Verzweiflung und Angst wirklich mit einem chemischen Ungleichgewicht im Gehirn verbunden, wie ihm von einer Reihe von Ärzten erzählt wurde? Oder war es genetisch, wie andere meinten? Oder sind die Gründe, warum heute so viele Menschen depressiv sind, eher sozialer Natur? Ist die Epidemie an Depressionen damit verbunden, wie wir die Welt um uns herum aufgebaut haben?

„In den ersten 18 Jahren meines Lebens hatte ich es als ‚alles in meinem Kopf‘ betrachtet ‒ was bedeutet, dass es nicht real, imaginär, falsch, eine Schwäche war. In den nächsten 13 Jahren dachte ich, dass es auf ein schlecht funktionierendes Gehirn zurückzuführen sei,“ so schreibt Hari in seinem neuen Buch.

„Die Hauptursache für all diese aufsteigenden Depressionen und Ängste liegt nicht in unseren Köpfen. Sie ist, wie ich entdeckt habe, weitgehend in der Welt und in der Art, wie wir leben, zu finden. Ich habe gelernt, dass es mindestens neun nachgewiesene Ursachen für Depressionen und Angstzustände gibt. . . und viele von ihnen erheben sich um uns herum ‒ was dazu führt, dass wir uns radikal schlechter fühlen.“

Depressionen durch die Trennung von Dingen, die wir brauchen

Yupa-Watchanakit_shutterstoNatürlich sind Menschen, die nur unglücklich sind, nicht dieselben wie Menschen wie Hari, die als schwer depressiv und ängstlich diagnostiziert werden. Wir neigen dazu, die letztere Gruppe als krank einzustufen und die erste, na ja …. als Personen, die eben einen schlechten Tag haben. Aber Hari argumentiert, dass diese traditionellen Unterscheidungen nicht so nützlich sind, wie wir es gelernt haben. Unglück und Depression werden bis zu einem gewissen Grad durch dasselbe verursacht: Die Trennung von den Dingen, die wir brauchen, um glücklich zu sein.

„Die Kräfte, die manche von uns deprimiert und stark ängstlich machen, machen gleichzeitig noch mehr Menschen unglücklich“, schreibt er. Lost Connections wirft einen faszinierenden Blick auf das, was Menschen deprimiert und fragt, was wir tun können, anstatt Pillen in uns einzuwerfen. Rund jeder zehnte leidet lt. WHO an Depressionen. Wohl aber ist die Zahl der Unglücklichen größer als die tatsächlich behandelte Bevölkerung. Wenn wir die einschließen, die nicht als depressiv gelten, aber dennoch traurig und unglücklich sind, sprechen wir wahrscheinlich über viele Millionen auf der ganzen Welt.

Was brauchen wir um glücklich zu sein?

Hari interviewt Dutzende von Sozialwissenschaftlern auf der ganzen Welt, die verschiedene Aspekte der Depression und des Unglücks untersucht haben. Er kommt zu dem Schluss, dass das, was uns unglücklich macht ein Mangel an dem ist, was wir wirklich brauchen:

  • das Gefühl in einer Gruppe geliebt zu sein,
  • das Bedürfnis, von anderen Menschen geschätzt zu werden,
  • das Bedürfnis, sich in etwas gut zu fühlen und
  • die Notwendigkeit, mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken.

Weniger Depressionen durch „Wiederverbindung“

In der zweiten Hälfte des Buches gibt Hari einige Vorschläge, wie wir alle weniger unglücklich sein können, etwas das er „Wiederverbindung“ mit den Dingen nennt, die wir brauchen. Er erkannte, dass wir weniger über uns selbst, dafür mehr über andere nachdenken sollten. Wir müssen es aufgeben, uns die ganze Zeit nur mit uns zu beschäftigen und Zeit mit uns allein zu verbringen. Es ist besser, sich in der Menge zu verlieren.

„Der wahre Weg zum Glücklichsein, so sagten mir die Forscher, entstammt dem Abbau unserer Ego-Wände ‒ von der Möglichkeit, sich in die Geschichten anderer Menschen einfließen zu lassen und ihre Geschichten in deine fließen zu lassen.“ Wenn Hari sich jetzt deprimiert fühlt, tut er nichts für sich, wie zB etwas Neues zu kaufen oder einen Lieblingsfilm auszuleihen. Er versucht etwas für andere zu tun. Und er fühlt sich damit besser.

„Sinnvolle Werte“ sind eine weitere Quelle verbesserter Zufriedenheit. Ein weiterer Weg um glücklicher zu sein ist, materialistische Werte und – wie er es ausdrückt – die psychische Verschmutzung, die mit Werbung einhergeht, zu meiden.  „Seit den 1920er Jahren geben Werbefachleute zu, dass es eigentlich ihre Aufgabe ist, dass Menschen sich unzulänglich fühlen. Dann bieten sie ihr Produkt als Lösung für das Gefühl der Unzulänglichkeit, das sie selbst geschaffen haben, an“, schreibt Hari. „Werbung ist der ultimative Feind des Glücks. Wir hören ständig: ‚Oh, mein Schatz, ich möchte, dass du gut aussiehst / riechst. Es macht mich so traurig, dass du im Moment hässlich bist / stinkend / unglücklich bist. . . ‚“

Welche Werte machen glücklicher?

Hari vermeidet jetzt auch soziale Medien. Es ist eine Vergleichsmethode, die dazu führt, dass sich viele Menschen unzulänglich fühlen. Die idealisierten Bilder unserer Freunde machen oft, dass wir uns schlechter fühlen. Hari schlägt auch vor, nach unseren intrinsischen anstatt unseren extrinsischen Werten zu leben. Das sind Werte, die in sich selbst wichtig sind, wie das Lieben unserer Freunde und Familie und das Folgen unserer Interessen, im Gegensatz dazu, sich darum zu kümmern, wie andere uns sehen und zu versuchen, das Loch in unseren Herzen mit mehr Besitztümern zu füllen. Diese machen uns letztendlich nicht glücklicher, auch wenn der Kauf von etwas einen momentanen Nervenkitzel hat.

Auch wenn einige meinen, dass Hari’s Ansätze nicht neu sind und er Psychiater unfair als Pillenschieber beschimpft, so macht er das Thema Depression doch humaner und sozialer. Für ihn ist es etwas, das wir reparieren und bearbeiten können und nicht etwas, dem wir uns fügen müssen und wo es nur darum geht, die Symptome zu behandeln.

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