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Die Arche Noah und ihre Vielfalt

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Artenreichtum zählt zu den wesentlichen Merkmalen eines gesunden Ökosystems und ist somit eine wichtige Grundlage für unser Wohlergehen. Die Arche Noah möchte diese Werte möglichst vielen Menschen näherbringen.

In der landschaftlich reizvollen Übergangszone des Weinbaugebietes Kamptal ins niederösterreichische Waldviertel liegt auf einer Anhöhe der malerische Ort Schiltern mit seinem historischen Schlossgarten. Die Nutzung dieses Gartens als Anbaufläche für Obst und Gemüse ist bis ins 19. Jahrhundert nachweisbar und bis heute aufrecht. Als Schaugarten des Vereins „Arche Noah“ ermöglicht er außerdem, verschiedene und selten gewordene Pflanzensorten kennenzulernen. Dem Besucher fällt sogleich der wertvolle Bestand alter Obstbäume mit lokalen Sorten von Marillen, Zwetschken, Ringlotten, Kirschen, Äpfeln und Birnen ins Auge.

Die Arche ist auch ein beliebtes Ausflugsziel, in der Hauptsaison von Mitte April bis Mitte Oktober hat der Schaugarten täglich außer Montag geöffnet.

Je unterschiedlicher, desto besser in der Arche Noah

Wissenschaftler, die sich mit der Frage nach der Bedeutung der Artenvielfalt auseinandersetzen, haben festgestellt, dass Ökosysteme, die aus vielen unterschiedlichen Arten bestehen, weniger störungsanfällig sind als andere unter den selben Bedingungen. Auf die Kulturpflanzen übertragen, heißt das: Nur ein möglichst vielfältiges Sortenangebot kann unseren Nahrungsmittel- und Nutzstoffbedarf langfristig sichern.

“Dem Grundsatz ‚Erhaltung durch Nutzung’ gemäß ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen Zugang zu diesen gefährdeten Sorten haben.”

Durch Zerstörung und Zerstückelung von Lebensräumen ist die biologische Vielfalt auf der Erde allerdings stark bedroht. Früher als die Landwirte und Gärtner das Saatgut noch selbst vermehrten und weitergaben, sorgten sie durch Kreuzung der Sorten für eine stete Verbreiterung des Angebots. Mit der Industrialisierung der Landwirtschaft und der Bildung internationaler Saatgutmonopole wurde diese Entwicklung angehalten und sogar umgekehrt.

Wenn Sie Artenvielfalt schätzen, sind Sie bei der Arche Noah richtig.

Wenn Sie Artenvielfalt schätzen, sind Sie bei der Arche Noah richtig.

Laut Schätzungen der Welternährungsorganisation „Food and Agriculture Organization of the United Nations“ sind in den vergangen 100 Jahren rund drei Viertel aller Kulturpflanzen weltweit verloren gegangen. 50 Prozent der menschlichen Ernährung werden heute nur mehr von drei Pflanzenarten (Reis, Mais und Weizen) abgedeckt, eine gefährliche Entwicklung. Daher ist es notwendig, Strategien zu entwickeln, wie sie für die Nutzung durch zukünftige Generationen bewahrt werden können.

Arche Noah: Erhaltung durch Nutzung

Die Arche Noah wurde 1990 als „Gesellschaft für die Erhaltung, Verbreitung und Entwicklung der Kulturpflanzenvielfalt“ gegründet. Damals beschlossen interessierte und besorgte Hausgärtner/innen und Bauern die Erhaltung gefährdeter Sorten und samenfesten Saatgutes buchstäblich in die eigenen Hände zu nehmen. Heute zählt der Verein über 8.000 Mitglieder. Er leistet mit seinen Aktivitäten einen wertvollen Beitrag zum Schutz und Fortbestand der Kulturpflanzenvielfalt und möchte diesen genetischen Schatz für zukünftige Generationen bewahren.

Deshalb werden an den beiden Standorten Schiltern und Langenlois, sowie in den vielen privaten Gärten der Vereinsmitglieder, Jahr für Jahr Hunderte gefährdete Sorten angebaut und daraus Saatgut gewonnen. Allein im Schilterner Sortenarchiv werden über 6.000 Sorten erhalten.

Dem Grundsatz „Erhaltung durch Nutzung“ gemäß ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen Zugang zu diesen gefährdeten Sorten haben. Alljährlich erscheint das Sortenhandbuch, ein Verzeichnis von traditionellen Sorten und Raritäten von Gemüse, Obst und Kräutern, die vom Sortenarchiv und den Arche-Mitgliedern abgegeben werden können. Das Saatgut wird unter biologischen Anbaubedingungen vermehrt, stammt ausschließlich aus der Region bzw. aus NÖ und wird jeweils in kleinen Mengen einzeln und händisch ausgesucht, verpackt und verschickt.

Saatgut und Jungpflanzen von seltenen Sorten erhalten Sie auch bei einem der Arche-Pflanzenmärkte in Wien, Graz, Linz, Salzburg, in der Nähe von Klagenfurt und in Götzis/Vorarlberg. Beratung in Fragen der Sortenwahl, Saatgutvermehrung und Sortenbestimmung gibt es direkt vor Ort von Mitte April bis Mitte Oktober oder telefonisch.

Wenn Sie darüber hinaus für die Kulturpflanzenvielfalt aktiv werden wollen, können Sie die Arche selbstverständlich auch als Mitglied oder Förderer unterstützen.


Sechs Tipps um die Kulturpflanzen-Vielfalt für kommende Generationen zu bewahren:

  • Machen Sie Ihren Garten oder Balkon zum Hort für seltenes Obst und Gemüse.
  • Achten Sie beim Kochen bewusst auf die verwendeten Sorten.
  • Kaufen Sie so oft wie möglich direkt beim Bauern oder am Bauernmarkt ein.
  • Wählen Sie bevorzugt biologisch produzierte, saisonale Produkte aus der Region.
  • Fragen Sie nach Lebensmitteln aus seltenen Kulturpflanzen und aus handwerklicher Verarbeitung.
  • Vermitteln Sie Kindern einen liebevollen Umgang mit den Pflanzen, die ebenso wie Nutz- und Haustiere seit Jahrtausenden unsere Freunde sind.

 

Die Arche Noah setzt alles daran, um die Kulturpflanzen-Vielfalt für kommende Generationen zu bewahren.

Die Arche Noah setzt alles daran, um die Kulturpflanzen-Vielfalt für kommende Generationen zu bewahren.

Jürgen Niederdöckl für LIFECHANGE.AT

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